(991) +++ Leerheit (I) +++ Die Erkenntnis der Bewegung ist nicht leicht und doch darf man nicht davor zurückschrecken. Sie verspricht einen gänzlich neuen Zugang zu den Welterscheinungen. Aristoteles hat sie in der morphe als diejenige Instanz postuliert, die permanent unterwegs ist. Im Buddhismus ist es die Weg-Metapher, die analog angewendet wird. Doch man kommt nicht weiter, wenn man gedanklich in der Logik von Bewegung und Nicht-Bewegung steckenbleibt. Auf diese Weise ist der Geschmack der Bewegung nicht zu ermitteln. Einerseits muß ein naturwirkliches Ding persönlich gefühlt werden, andererseits ist jedoch soviel geistiger Abstand erforderlich, daß auch eine Wahrnehmung möglich ist. Die Leerheit ist das Grenzphänomen des unmittelbaren Kontaktes in dem Augenblick, wo die Empfindung beider Individualiäten in eins zusammenfallen, das Ganze nur intensiv erlebt werden kann. Hierbei muß zu Anfang ein gewisser Schwellenwert erreicht werden, der dann zum Initialzünder wird. Verantwortlich hierfür ist die Letzbegründungsinstanz der totalexistierenden Individualität in jeder Verkörperung. Jeder materielle und geistige Prozess startet hier. Jede Spaltung des einen Seins in den Begriff und das Bild beginnt hier. Hier auf der Ebene der hyletischen Empfindung gibt es aber keine Trennung vom Eidos, von der Wirlichkeit und dem entelechischen Urbild. Genau hier ist die Leerheit, nur Ganzheit. Genau hier gibt es kein Selbst, kein Nicht-Selbst. Im ewigen Augenblick der sich vollständig überlagernden Bildsequenzen gibt es nur zwei sich aufhebende gegensätzliche Bewegungen, der Inkarnation und der Exkarnation. Zen ist die grenzaktive Zusammenschau innerhalb der leeren Totalkontingenz mit den vorgefundenen Werkzeugen im eigenen Bewußtsein. Deshalb ist für die GAIA Goethe ein Buddha, denn nichts anderes ist sein vorbildliches Leben. Es war der Versuch Objekt und Subjekt geschmackvoll zu verbinden. (wird fortgesetzt)
